"Der Heilpraktiker" über Aloe Vera - ein Auszug
Keine Heilpflanze ist seit einiger Zeit so sehr im Gespräch wie die Aloe Vera. Aloe Vera-Saft erlebt einen neuen Boom. In zahllosen Kosmetika ist Aloe Vera-Extrakt enthalten. Viele fragen sich: Ist der vielseitige Einsatz der Aloe Vera ein Mode-Gag oder handelt es sich um eine ernsthafte, wertvolle Naturarznei?
Manche Fans propagieren die Aloe Vera als "Wundermittel gegen alles" und rücken sie damit in ein schlechtes Licht. Aber was ist die Aloe nun wirklich?
Die Aloe Vera ist ein Liliengewächs. Daher wird sie in manchen Ländern auch als "Wüsten-Lilie" bezeichnet. Sie hat kerzenartige, orangefarbene Blüten. Es gibt etwa 300 Aloe-Arten. Für Kosmetik- und Heilzwecke eignet sich aber einzig und allein die Aloe Vera barbadensis. Man spricht in der Botanik von der "wahren Aloe". Aus ägyptischen Aufzeichnungen geht hervor, dass man die Pflanze und ihre Wirkung bereits vor rund 6000 Jahren kannte. Nofretete und Cleopatra verwendeten bereits Aloe Vera Extrakte für ihre Hautpflege. Bei den Sumerern galt sie als Heilpflanze. Sie war auch in der chinesischen Heilkunde bekannt. Alexander der Große hat die Verletzungen seiner Soldaten damit behandeln lassen. Der griechische Arzt Dioscurides schreibt im ältesten Heilkräuterbuch der Welt über die heilende Wirkung der Aloe Vera. Auch bei den Mayas war sie bekannt. Kolumbus hat auf seinen Schiffen immer Aloe vera Pflanzen in Töpfen mitgeführt; die Matrosen heilten ihre Wunden damit. Im 17. Jahrhundert ist die Aloe Vera in unsere Regionen gebracht worden. Bis zum ersten Weltkrieg war die Aloe Vera in Deutschland eine Selbstverständlichkeit in jedem Haushalt. Damals mussten die Frauen Holzspäne fürs Entzünden des Feuers im Küchenofen vorbereiten und an der heißen Herdplatte hantieren. Dabei kam es immer wieder zu Verletzungen und Verbrennungen. Die Frauen schnitten einfach ein Stück eines Aloe Vera Blattes ab und rieben mit dem Gel die betroffene Stelle ein. Im Nu war die Wunde verheilt.
Die Eigenschaften der Aloe Vera
Die Eigenschaft der Aloe Vera, die Haut mit erstaunlicher Schnelligkeit reparieren zu können, wird heute in Dermatologie-Kliniken intensiv genutzt: Patienten mit schwersten Verbrennungen an vielen Körperstellen werden in ein Aloe Vera Bad gelegt.
Die Aloe Vera hat rund 160 Einzelwirkstoffe, die in ihrer Harmonie wirken. Zu den interessantesten zählen 13 Mucopoly- und andere Sacharide, 13 Mineralstoffe, 13 Vitami-ne, 15 Enzyme, 4 essentielle Fettsäuren, Aminosäuren und viele ätherische Öle. Die zentrale Substanz aber ist Acemannan, ein langkettiges Zuckermolekül. Acemannan findet man auch im menschlichen Organismus, allerdings nur während der Pubertät. Der erwachsene Mensch kann es nicht mehr produzieren, es muss mit der Nahrung zugeführt werden.
Acemannan stärkt die Immunkraft, da es die Fresszellen (Makrophagen) und Killerzellen aktiviert. Es sorgt dafür, dass körperfremdes Eiweiß, das Allergien auslösen kann, rasch abtransportiert wird. Acemannan wirkt vielfach: antiviral, antibakteriell, antimyko-tisch, also gegen Pilzerkrankungen. Es schützt die weißen Blutkörperchen und das Knochenmark vor Umweltschadstoffen. Und es wirkt sich positiv auf die Darmflora aus. Die Aloe Vera enthält auch in großen Mengen Salizylsäure, den Wirkstoff der Weidenrinde und des Aspirins. Es wirkt daher auch als Schmerzmittel.
Welche Teile der Aloe Vera werden verwendet?
Man verwendet den Saft aus dem Gel in den Blättern oder die gesamte Gelmasse, aber immer ohne Schale. Käuflich sind daher Aloe Vera-Saft oder Aloe Vera-Gel. Saft und Gel sind auch in vielen Cremes, Lotionen und Shampoos enthalten, die in der Medizin und Kosmetik verwendet werden.
Warum hat manches Aloe Vera Produkt einen schlechten Ruf?
Früher war es üblich, dass man aus dem ganzen Aloe Vera Blatt - also auch aus der äußeren Haut der Pflanze - Abführmittel erzeugte. Man schnitt dafür die Blätter am unteren Ende ab, stapelte sie zu einem Haufen und ließ den Saft, der sich zwischen der Haut und dem Gel bildete, herauslaufen. Er wurde nach Tagen eingesammelt, gekocht, eingedickt und kristallisiert. Dieses Abführmittel zeigte starke Nebenwirkungen, reizte den Darm und wurde mit Recht 1997 aus dem Verkehr gezogen. Diese Produkte von damals haben mit dem Gel-Saft der Aloe Vera von heute absolut nichts zu tun. Manche verwechseln das aber heute noch.
Wie kann man den Saft der Aloe Vera für die Gesundheit einsetzen? Es gibt Chirurgen, die ihren Patienten empfehlen, 14 Tage vor einer Operation jeden Tag 1/16 Liter Aloe Vera-Saft zu trinken, damit sie den Eingriff besser überstehen und danach schneller genesen.
- Wer seine Immunkraft stärken will, trinkt längere Zeit jeden Tag 3 bis 4 Esslöffel Aloe Vera-Saft.
- Wer Halsschmerzen hat, gurgelt damit.
- Wer die ersten Anzeichen von Lippen-Herpes verspürt, massiert die betroffene Hautstelle damit ein.
- Leichte Kratzer, Schnittwunden und andere Verletzungen heilen blitzschnell.
- Äußerlich wendet man ihn gegen Allergien, zur Regeneration und Beruhigung der Haut und als Vitalkur für die Haut an. Viele Männer geben Aloe Vera-Saft nach dem Rasieren auf die Haut, damit sie sich rasch beruhigt.
- Der Saft der Aloe Vera fördert und verbessert die Durchblutung aller Gefäße. Damit erhält die Aloe Vera jung, weil der Körper besser mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgt werden kann.
Quelle: 08.04.2004 (Prof. Hademar Bankhofer)